Mali - Tagebuch

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DIE KAPITEL
 

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Tagebuch

Samstag 16.12.06 - Weiterreise nach Segou

Wir verlassen die Hauptstadt, zum Schluss fanden wir es immer sympathischer hier. Bamako ist sehr "afrikanisch", keine protzige Stadt mit riesigen Hochhäusern und Slums direkt nebenan. Ich empfinde es als wesentlich angenehmer als Dakar zum Beispiel. Gegen 10 Uhr sind wir am gare routiere auf der anderen Seite des Niger. Wir kaufen Tickets bei Daou Transport für den Bus nach Segou um 11 Uhr. Das war ein Fehler... Aber erstmal das übliche Frühstück an einem kleinen Snackstand. Auch der Tee wir gerne mit der süssen Milch getrunken, mhhhh. Gegen 11 gehen wir zurück zum Bus, aber hier gibts noch keine Anzeichen von Aktivität, was uns zunächst nicht weiter beunruhigt. Der Busbahnhof ist ein ziemliches Drecksloch und es gibt nur wenige schattige Plätze hier. Überall wuseln fliegende Händler rum. Es wird 12 Uhr, 13 Uhr. Schliesslich wird der alte Bus beladen und sogar unsere Rucksäcke finden noch Platz im Gepäckraum. Jetzt sollten eigentlich die Namen der Passagiere aufgerufen werden, damit es irgendwann mal losgeht. Aber nichts. Die Belgischen Musiker mit ihren Rasselkugeln rasten langsam komplett aus und fangen eine erregte Diskussion mit dem Ticketverkäufer an. Es gibt ein Problem. Eine gut gekleidete Schwarze hat die Polizei geholt, weil der Bus hinten Öl verliert, das sei doch sehr gefährlich. Alles wird wieder ausgeladen und in einen anderen Bus gepackt, der auch nicht wirklich besser aussieht. Um 14:30 geht es dann los, hurra. Mit einigen Pausen brauchen wir 5 Stunden bis Segou. Der Anlass für die Pausen ist meist die Gebetszeit, aber es gibt neben der Strasse immer einige Snacks und Wasser zu kaufen. An einer riesigen, beleuchteten Strasse steigen wir aus. Ein Taxi bringt uns zur Mission catholique, wo wir übernachten wollen, nach den guten Erfahrungen in der mission libanaise in Bamako. Leider ist die Mission für Gäste bis Dienstag geschlossen, also ziehen wir zu Fuss weiter in den Ort. Im Hotel Djoliba beziehen wir ein wirklich schönes Zimmer für 11.000 CFA. Unten gibts eine schön eingerichtete Bar, auf der Dachterasse qualmt der Pizzaofen. Wir essen nebenan im "L'Auberge". Flag, Merguez und Pommes, sehr gut. Segou macht einen guten Eindruck, wir freuen uns auf den halben Tag, den wir hier morgen noch hier verbringen werden.

Sonntag 17.12.06 - Segou

Schon früh sind wir heute unterwegs. Wir wohnen ja nicht weit vom NIger entfernt und geniessen nun hier die Morgensonne. Schade, dass wir heute schon weiter müssen, da morgen der berühmte Montagsmarkt in Djenné ist. Den wollen wir auf keinen Fall verpassen. Am Ufer sehen wir einige Fischer ihre Boote be- und entladen. Wir gehen weiter am Fluss entlang und sehen viele kleine Töpfereien, Segou ist berühmt für seine Töpferwaren. Wir haben einige kurze Einblicke in sehr idyllische Innenhöfe. Am Sonntagmorgen ist es noch sehr ruhig und alles erwacht erst sehr langsam zum Leben. Segou gefällt uns sehr gut, es gibt hier auch fast keine aufdringlichen Guides, vielleicht schlafen die auch alle noch. In einer kleinen Bretterbude, die um einen Baum herum gebaut ist, nehmen wir ein leckeres Frühstück ein. Wir checken aus und gehen zu Fuss zum Wasserturm, wo der gare routiere für die Strama Busse liegt. Erst um 13 Uhr gibts hier einen Bus, also laufen wir weiter zur Station von Bittar. Perfekt, in 30 Minuten gehts los. Unglaublich, unser Bus heute ist pünktlich, sauber, schnell und nicht überfüllt. Sind wir nicht mehr in Afrika? Um 15 Uhr sind wir an der Abzweigung nach Djenné. Von dort können wir nach einer halben Stunde mit einem uralten Peugeot Pickup weiterfahren.
Es sind noch etwa 30 km bis zum Niger, wo wir mit einer relativ modernen Fähre übersetzen. Perfektes Fotolicht jetzt. Einige hübsche Kids verkaufen am Ufer genauso schöne Colliers, aber wir werden uns beim Preis noch nicht einig. Nach kurzer Weiterfahrt an einem Kanal entlang sind wir auf dem großen Platz vor der Moschee in Djenné! Ein beeindruckendes Bauwerk, das werden wir uns morgen genauer ansehen. Im Kita Kourou finden wir ein Bett im dormitoire, das wir ganz für uns haben werden. In der Abenddämmerung ziehen wir nochmal los durch die verwinkelten Gassen zwischen den schönen Lehmhäusern. Wir ereichen wieder den Flussarm. Djenné scheint ganz von Wasser umgeben zu sein. Schnell noch ein paar Fotos im letzten Sonnenlicht von einigen Kutschen die den Flussarm durchfahren, dann geht es zum Essen in das Restaurant in unserer Herberge. Es gibt poulet tion-tion, auch nicht viel anders wie yassa poulet. Unseren selbsternannten Guide Mohammed schicken wir erstmal wieder weg. Morgen werden wir ihn wohl nicht brauchen, da wir den Tag für den Markt reserviert haben. Ich liege noch lange wach und höre Musik vom MP3 Handy.

Montag 18.12.06 - Djenné

Heute ist es soweit, der berühmte Montagsmakrkt in Djenné erwartet uns. Um 7:30 Uhr ist zwar schon einiges los hier, aber an vielen Stellen wird noch aufgebaut und es sind noch nicht so viele Besucher da. Wir nutzen die Zeit für ein paar Fotos von der Moschee. Für einen kleinen Obulus dürfen wir auf ein Hausdach steigen von wir einen sehr guten Blick auf Moschee und Marktplatz haben. Anschliessend bieten uns die geschäftstüchtigen Jungs an, einen Blick in die Moschee zu werfen. Eigentlich ist dies nur Moslems vorbehalten und für andere Besucher streng verboten, seitdem sich einige Amerikaner etwas danebenbenommen haben. Aber die Regeln haben sich wohl wieder ein wenig gelockert. Jetzt betet wohl gerade niemand und wir huschen durch eine Hintertür im richtigen Moment hinein. Allzu beeindruckend ist es eigentlich nicht drinnen, der Anblick von aussen verspricht irgendwie mehr. Wir bedanken uns und stürzen uns nun einzeln in das Marktgetümmel. Es ist wirklich alles sehr farbenfroh und lebendig. Das wirklich Interessante sind meiner Meinung nach die Leute in ihren tollen Gewändern, weniger die Waren an sich. Die Atmosphäre hier ist schon ganz besonders, es ist nicht irgendein Markt. Manchmal bekomme ich die Erlaubnis für ein Foto vom Marktstand oder für ein Portrait, aber meistens geht es nicht so einfach. Manchmal ein einfaches "non", oder ich soll Geld dafür zahlen. Das lehne ich ab, dafür biete ich manchnmal ein kleines cadeau an. Die Parfum- und Shampooproben stossen meist bei den Frauen auf grosses Interesse. In jedem Fall ist erst ein wenig Smalltalk erforderlich, und dazu hat hier auch jeder Zeit. Ich treffe mich mit Angy gegen Mittag zu einem kleinen Snack. Es gibt 1 cm lange Spaghetti und verschiedene Teigstückchen in roter Sosse aus einer kleinen Plastiktüte. Jetzt zur Mittagszeit erreicht der Markt trotz sengender Hitze seinen Höhepunkt. Weiter geht's. Ich habe zwar eigentlich schon alles einmal gesehen, aber ich entdecke immer noch neue interessante Dinge und komme mit vielen Leuten ins Gespräch. Zum Beispiel mit einem Haushaltswarenverkäufer (so würde man das wohl bei uns nennen), an dessen Stand ich kurz stehenbleibe um einem Koraspieler zuzuhören. Ich setze mich zu ihm auf die Bank und erzählt mir von seinem Business. Später frage ich einen Mann in einem blauen Gewand mit einem bunten Turban, ob ich ein Foto machen darf von ihm. Er lacht und schlägt vor, dass ich ihn dafür zu einem Tee einlade. Perfekt! Zwei Stände weiter hocken wir uns unter eine Plane in den Schatten und ich kaufe grünen Tee und Zucker. Eine Teekanne bekommen wir auch (die des Verkäufers), und nun beginnt mein neuer Feund Boubacar den Tee zuzubereiten.
In der folgenden Dreiviertelstunde erfahre ich viele interessante Dinge, z.B. dass er hier ist um Ziegen für das Tabaskifest einzukaufen, die dann per Lkw in sein Dorf Niafunké gebracht werden. Er ist auch wie wir auf grosser Reise und jetzt auf dem Weg von Tiombouctou nach Bamako. Die letzte Nacht hat er auf einem kleinen Boot auf dem Niger verbracht und es war seht kalt. (Ich weiss jetzt noch nicht, dass uns das auch noch erwartet) Ab 16:00 Uhr machen Angy und ich noch eine Runde durch den Ort. Schöne Abendstimmung jetzt, Sonnenuntergang am Nigerufer, wo Pinassen Besucher vom Markt übersetzen oder auf dem Fluss bis in ihr Dorf bringen. Auf dem Rückweg zum Kita Kourou treffen wir den Belgier mit seiner süssen Malischen Freundin wieder und verabreden uns zum Abendessen. Sie studiert in Bamako und hat ihn im Zug nach Kayes kennengelernt, wo ihre Eltern leben. Später gehen wir ins Restaurant du Fleuve, wo wir zwei weitere Bekannte treffen. Es sind zwei Franzosen, die in Bamako ihre Vesparoller verkauft haben. Wir warten lange auf unser Essen, aber unterhalten uns gut in mindestens drei Sprachen. Der Fisch mit Couscous ist hervorragend.

Dienstag 19.12.06 - Sirimou und Senossa

Nach einer angenehmen und nicht zu kalten Nacht geht's heute schon wieder früh los. Wir haben beschlossen, noch einen Tag in Djenné zu bleiben, auch um den Ort mal in Ruhe und ohne Markt zu sehen. Pünktlich um sieben wartet unser Guide Noo auf uns und wir ziehen ohne Frühstück los. Zu Fuss marschieren wir Richtung Westen zum Dorf Sirimou, ein Bozo-Dorf auf einer Insel. Die Sonne geht hinter uns auf, aber es ist immer noch sehr kalt. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir das Dorf und lassen uns mit einer Piroge übersetzen. Die Moschee sieht der in Djenné recht ähnlich, aber sie ist nicht so gross. Wir dürfen in das Haus eines Bakannten von Noo. Ein schöner, sonnendurchfluteter Innenhof liegt zwischen dem Wohnhaus und einer Schmiedewerkstatt. Im überdachten Teil des Hofes befindet sich die Küche, das heisst eine offene Feuerstelle, eine Art Ofen sowie einige Regale mit Geschirr. Wir passieren mehrere Plätze. An einem arbeiten Frausen mit Mörsern, andere sind Treffpunkt für Jugendliche oder ältere Männer. Die Lehmhäuser sind ähnlich konstruiert wie in Djenné und meistens sehr gepflegt. Aus einer kleinen Koranschule dringt lautes Gemurmel von Kindern beim Rezitieren der Verse.
Es gibt keine andere Schule, das heisst in Fächern wie Mathematik werden die Kinder hier nicht unterrichtet. Wir fahren wieder zurück aufs Festland und weiter geht es zu Fuss noch eine gute halbe Stunde bis zum Peul-Dorf Senossa. Dieses ist etwas grösser und liegt auf einem flachen Hügel. In der Regenzeit ist das Dorf komplett von Wasser umschlossen. Es gibt zwei Moscheen hier, die aber etwas schlichter sind. Endlich Zeit für ein Frühstück. In einem kleinen Laden gibts Kaffee und Baguette. Das dauert etwas, da erst Holzkohle geholt werden muss. Wir haben als vor dem Frühstück noch Zeit für eine Runde durchs Dorf zum Fotografieren. Die Ladenbesitzerin und die vielen kleinen Kinder freuen sich über unsere kleinen cadeaux. Eigentlich war nun die Rückfahrt mit einer charette (Pferdewagen) vorgesehen, aber irgendwas hat bei Noo's Planung wohl nicht so geklappt. Jetzt wirkt er etwas hilflos und schlägt vor, den ganzen Weg in der Mittagshitze wieder zu Fuss zu machen. Oder will er nur seine Ausgaben etwas reduzieren? Nach einigen erfolglosen Telefonaten von ihm beschliessen wir den Preis zu reduzieren und gehen zu Fuss. Er trottet hinter uns her, jetzt sind wir die guides! Später am Ortsrand von Djenné bezahlen wir ihn. Er akzeptiert das so und wir sind wieder versöhnt. Am Marktplatz treffen wir den Belgier und seine Kleine wieder. Wir holen unsere Sachen aus dem guesthouse und nehmen ein sept-place bis nach Sevaré, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit ankommen. Die 7-places Peugeots müssten hier eigentlich 11-places heissen... Unterwegs gibt es immer wieder kurze Stops an den Checkpoints. Wir nutzen jede Gelegneheit, um kurz aus dem Auto herauszukommen. Im Hotel Oasis gibts gute, aber wenig charmante Zimmer für 11.000 CFA. Dafür haben wir ein prima Abendessen im senegalesischen Restaurant Teranga an der Hauptstrasse.

Mittwoch 20.12.06 - Weiter nach Bandiagara

Heute ist so ein Zwischentag, weder richtig hier noch am Ziel, aber auch kein echter Reisetag. Erstmal ausschlafen, dann ziehen wir etwas unentschlossen ohne grossen Rucksack zur Hauptstrasse. Wir wissen noch nicht so recht, ob Sevaré ein interessanter Ort ist oder nicht. Nach dem Frühstück (so wie immer) gehen wir in einen libanesischen Laden und weiter zum gare routiere. Der liegt geschickterweise total weit ausserhalb an der Strasse nach Bandiagara. Gut, jetzt wissen wir, wo er ist und dass heute wahrscheinlich noch irgendein Fahrzeug losfährt. Wir gehen in der Mittagshitze wieder zurück und holen unser Gepäck, dann die gleiche Strecke nochmal.
Ausser Geschäften und ein paar Restaurants hat Sevaré nichts zu bieten. Also schnell weg hier, bevor der ganze Tag vertrödelt ist. Als wir wieder am gare routiere ankommen, steht schon ein Mercedes Transporter bereit und einige Passagire sitzen in einem schattigen Unterstand. Wir kaufen schon mal unsere Tickets, müssen aber mindestens noch eine Stunde warten, bis endlich 18 Passagiere zusammengekommen sind. Währenddessen lernen wir ganz nebenbei unseren Guide für die geplante Tour im Dogonland kennen. Er heisst Adama, ist 38 Jahre alt und hat sogar Freunde in Frankfurt (spricht aber kein Deutsch). Manchmal arbeitet er mit Reisegruppen zusammen. Ein paar Unterlagen und eine kleine Karte hat er auch dabei, zieht aber nicht die aufdringliche Guide-Nummer ab. Wir unterhalten uns über die optimale Route für eine dreitägige Tour. Da wir ihn beide sehr sympathisch und kompetent finden, beschliessen wir die Tour mit ihm zu machen. Ich schreibe unseren Vertrag zweimal in Französisch auf einen kleinen Zettel. Das wird ein schönes Souvenir werden. Wir wollen versuchen, noch zwei weitere Teilnehmer für unsere kleine Expedition zu finden, wenn wir in Bandiagara sind. Adama kommt aus dem Dorf Sanga. Das ist in der Nähe von Bandiagara und dort wollen wir unsere Tour starten. Nach gut 2 Stunden sind wir in Bandiagara, die Strasse dorthin ist in einem perfekten Zustand. Wir übernachten im Hotel "Le Village" in einem klitzekleinen Doppelzimmer. Adamo belegt das Nachbarzimmer. Unsere Suche nach weiteren Teilnehmern bleibt erfolglos. Entweder haben alle schon einen Guide oder die Zeitplanung passt nicht zusammen. Dann werden wir also zu Dritt aufbrechen morgen. In der Auberge Kansaye essen wir Reis mit Artischocken und dazu gibts ein kühles Bier. Schon vorher fühlte ich mich etwas schlapp, aber danach geht es mir gar nicht mehr gut. Ich schleppe mich zurück zum Hotel. Die Nacht verbringe ich mehr auf der Toilette als im Bett, aber gegen Morgen schlafe ich doch noch ein wenig. Mist, ausgerechnet jetzt. Ob wir so ins Dogonland aufbrechen können?

 

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